0,62 Erdumfänge
40.075 km wären einmal herum
Mehr als ein halber Erdball, ohne dass ich am Ende woanders bin als daheim. Der Untertitel dieser Seite lügt also nicht.
17 Tage · solo · 25.08.–10.09.2026
Ich fahre 17 Tage quer durch ein Land, das größer ist als mein gesamtes bisheriges Leben an Reisen zusammen. Allein, mit zu viel Kameraausrüstung und einem Plan, der vermutlich am dritten Tag zerfällt. Hier schreibe ich mit, ab jetzt.
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Gesamtstrecke
Flüge, Züge, ein Mietwagen und die Kilometer, die ich zu Fuß mit dem Stativ zurücklege, weil ich den Parkplatz nicht gefunden habe. Mehr als ein halber Erdumfang — und die schönsten davon sind die 775 im Auto.
Fünf Flüge, zwei davon mit Zwischenstopp.
ÖBB zum Flughafen, VIA Rail Toronto → Montreal.
Drei Tage Rockies. Der schönste Teil.
Toronto → Niagarafälle und zurück.
Sechs Stationen, siebzehn Tage, ein Kontinent von rechts nach links.
Was 24.700 km eigentlich heißt
0,62 Erdumfänge
40.075 km wären einmal herum
Mehr als ein halber Erdball, ohne dass ich am Ende woanders bin als daheim. Der Untertitel dieser Seite lügt also nicht.
6,4 % zum Mond
Erde–Mond: 384.400 km
Sechs Komma vier Prozent. Klingt wenig, fühlt sich nach der fünften Sicherheitskontrolle aber vollständig an.
24-mal Wien–Paris
eine Strecke: 1.037 km
Vierundzwanzigmal quer durch halb Europa. Ohne Croissant, dafür mit Bordwasser im Plastikbecher.
65-mal Steyr–Wien und retour
hin und zurück: 380 km
Genau die Strecke, die am 25. August um kurz nach fünf beginnt. Fünfundsechzigmal davon, und man ist in Kanada.
8 verschiedene Betten
15 Nächte mit Matratze
Zwei davon in Hütten ohne Strom. Die 16. Nacht findet im Sitzen zwischen JFK und Belgrad statt und zählt hier nicht mit.
4 Zeitzonen
MESZ · EDT · MDT · PDT
Drei davon in Nordamerika, quer über den Kontinent. Die innere Uhr wurde nicht gefragt und wird sich melden.
5 Flüge, 9 Flughäfen
zwei mit Zwischenstopp, einer über Nacht
Ankunft in Newark, Abflug ab JFK. Zwei verschiedene Flughäfen, eine Erkenntnis, die man besser vorher hat.
6 Stationen in 17 Tagen
Ost nach West, dann einmal falsch abgebogen
Toronto, Niagara, Montreal, Rockies, Vancouver, New York. Im Schnitt keine drei Tage pro Ort — Erholung ist etwas anderes.
Der Zeitversatz ist die unsichtbare Hauptfigur jeder Ost-West-Reise. Links läuft die Zeit daheim, rechts die von New York, dazwischen der ganze Kontinent.
Was Ende August und Anfang September in den vier Regionen üblich ist — Durchschnittswerte, keine Prognose. Im Osten warm und schwül, in den Rockies mild am Tag und nachts nahe null, an der Westküste mild und feucht. Der helle Balken ist der Tag, der türkise die Nacht.
Toronto & Montreal
heiter · eher trocken, vereinzelt Gewitter
warm, 24–27 °C
Spätsommer im Osten. Kurze Hose tagsüber, Jacke für die Abende am Wasser.
Rocky Mountains
wolkig · wechselhaft
tags mild 15–20 °C, nachts kalt 0–5 °C
Frost und erster Schnee auf den Gipfeln sind Anfang September möglich. Anfang September werden außerdem die ersten Lärchen golden.
Vancouver
Schauer · höheres Regenrisiko
mild, 18–22 °C
Regen ist hier keine Ausnahme, sondern das Grundrauschen. Für den Regenwald ist das fotografisch die bessere Nachricht.
New York
sonnig · meist trocken, schwül
warm, 25–28 °C
Schwül. Die U-Bahn-Stationen sind heißer als die Straße.
01 — Über mich
Angefangen hat es, wie so oft, mit einem Foto von jemand anderem. Ein türkiser See, Berge dahinter, kein Mensch im Bild. Ich habe damals gedacht: übertrieben bearbeitet. Zwei Jahre später weiß ich, dass das Wasser wirklich so aussieht, und dass um sechs Uhr früh trotzdem hundert Leute mit Stativ danebenstehen. Egal. Ich will trotzdem hin.
2022 bin ich mit dem Zug ans Nordkap gefahren, Interrail, viel zu wenig Schlaf, ein Blog darüber. Das war die Generalprobe. Kanada ist dieselbe Idee, nur mit mehr Kilometern, mehr Bären und deutlich weniger Bahnhöfen. Es ist außerdem meine erste Reise nach Nordamerika, was man daran merkt, dass ich das Wort „Meile“ dreimal nachgeschlagen habe.
Ich reise allein. Nicht aus Prinzip, sondern weil ich um halb fünf Uhr früh im Dunkeln zu einem See laufen will, ohne dass mich jemand fragt, ob das wirklich sein muss. Es muss. Danach gibt es Frühstück, und dann bin ich für zwei Stunden nicht ansprechbar, weil ich Karten sortiere.
Der Plan: 17 Tage, sechs Stationen, Ost nach West, am Schluss noch ein Umweg über New York, weil der Rückflug nun einmal von dort geht. Fotografieren, filmen, wenig posten, viel schauen. Und danach hier alles aufschreiben, solange ich mich noch erinnere, welcher See welcher war.
Wien → Toronto → Niagara → Montreal → Banff → Vancouver → New York → Wien
02 — Vorbereitung
Eine Reise dieser Länge besteht zu erschreckend großen Teilen aus Formularen, Bestätigungsmails und der Frage, ob acht Kilo Handgepäck wirklich acht Kilo sind. Hier steht, was gebucht ist, was ich mitnehme und welche Fallen ich vorher kennen wollte. Alles unten ist bestätigt und bezahlt — und trotzdem fällt erfahrungsgemäß genau der Punkt um, den man für den sichersten hielt.
Sieben Dinge, die man besser vorher weiß als vor Ort.
In New York lande ich in Newark und starte drei Tage später von JFK. Das sind zwei verschiedene Flughäfen an zwei Enden der Stadt — wer das verwechselt, verpasst seinen Rückflug.
Kanada will eine eTA, die USA ein ESTA. Zwei Anträge, zwei Portale, beide vor dem Abflug. Der Reisepass muss über die ganze Reise hinaus gültig sein.
Castle Mountain verlangt eigene Bettwäsche. Beauty Creek liegt ohne Strom und ohne Empfang am Icefields Parkway, mit Plumpsklo und ohne Laden weit und breit — Essen und Wasser kommen vorher in den Kofferraum.
Toronto liegt sechs Stunden hinter Wien, die Rockies acht, Vancouver neun. Der erste Abend endet deshalb um halb acht im Bett und um drei Uhr früh hellwach. Dagegen hilft nur Tageslicht am Ankunftstag.
Privatautos sind gesperrt. Das Buchungsfenster öffnet exakt 48 Stunden vorher — und ist erfahrungsgemäß in Minuten weg. Wecker stellen, in Montreal-Zeit rechnen.
Der Flug nach Newark wird schon in Vancouver von US-Beamten abgefertigt. Das spart bei der Ankunft Zeit, kostet sie aber vorher: drei Stunden Vorlauf sind das Minimum, nicht der Puffer.
Abholung und Rückgabe beide in Calgary, dazwischen quer über die Rockies. Internationaler Führerschein, Kreditkarte auf den eigenen Namen, und vor der Rückgabe volltanken — sonst wird der Sprit zum Souvenirpreis abgerechnet.
Ein Gabelflug: hin nach Toronto, zurück ab New York. Dazwischen dreimal innerhalb Nordamerikas, weil dieses Land beim besten Willen nicht in einen Mietwagen passt.
Sechs Stunden Zeitverschiebung nach hinten. Die Uhr schenkt einem einen Tag und nimmt ihn nachts wieder zurück.
Zwischen Abflug und Ankunft liegen laut Ticket 2 Std. 42 Min. — dazwischen liegen zwei Zeitzonen.
37 Minuten laut Ticket — dazwischen liegt eine Zeitzone.
US-Vorabfertigung bereits in Vancouver — in Newark direkt raus.
Summe Flugkilometer: 22.980 km
Zweimal Regionalzug in Oberösterreich, einmal fünfeinhalb Stunden am Ontariosee entlang. Der schönste Fensterplatz der Reise kostet 181 kanadische Dollar.
Anreise zum Abflug. Sehr früh. Sehr still im Waggon.
Fünfeinhalb Stunden Fensterplatz am Ontariosee entlang. Sitz 6A ist gebucht, das zweite Handgepäckstück ebenfalls.
Heimreise via Linz. Mit rund 2.000 Fotos auf der Speicherkarte und keiner Meinung dazu.
Alamo · 9,2 / 10 · Audi A4 (Premiumklasse) oder ähnlich
Full-to-Full (vor Rückgabe volltanken). Exakt drei Miettage. Wer um 10:01 zurückgibt, zahlt einen vierten.
15 Nächte verteilt auf acht Betten, von der Dachterrasse im Quartier Latin bis zum Plumpsklo am Sunwapta River. Die 16. verbringe ich sitzend über dem Atlantik.
Toronto · Montreal · Calgary · Castle Mountain · Beauty Creek · Canmore · Vancouver · New York · Flugzeug
Toronto
Montreal
Calgary
Castle Junction
Icefields Parkway
Canmore
Vancouver
New York
Die 16. Nacht verbringe ich zwischen JFK und Belgrad auf 11.000 Metern, im Sitzen, mit einer Decke, die für jemand deutlich Kleineren gedacht war.
Alles hier ist gebucht, bezahlt und dreifach kontrolliert. Erfahrungsgemäß fällt trotzdem genau der eine Punkt um, den man für den sichersten gehalten hat.
Handgepäck-Limit 8 kg. Zwei Kameras, 4 Objektive, ein Stativ und die feste Überzeugung, dass man Socken vor Ort kaufen kann.
Hauptkamera
Zehn Jahre alt, wiegt zu viel, macht trotzdem die Bilder, wegen denen ich hinfahre.
Zweitkamera & Video
Die Kamera für alles, wofür das Stativ zu langsam ist. Und für Aufnahmen im Gehen, die sonst aussehen wie ein Erdbeben.
Die sechs Stationen
Sechs Orte, siebzehn Tage. Von der Karte darüber führt jeder Marker hierher.
Ankunft nach vierzehn Stunden Reise und sechs Stunden Zeitverschiebung. Ich rechne damit, dass ich am ersten Abend um halb acht einschlafe und um drei Uhr früh hellwach im Hostelbett liege. Gut, dann eben abends auf die Toronto Islands.
Fotografisch: Skyline vom Wasser, CN Tower von unten, Graffiti Alley bei Seitenlicht, und die Fähre als Stativ-Ersatz, was erfahrungsgemäß nicht funktioniert.
Das Hostel liegt in Greektown an der Danforth, zwei U-Bahn-Stationen vom Zentrum entfernt und ungefähr zwölf Souvlaki-Läden von meiner Selbstbeherrschung.
Ein Wasserfall, den man schon tausendmal gesehen hat und der trotzdem angeblich alle umhaut, sobald man danebensteht. Ich bin skeptisch und werde vermutlich trotzdem eine halbe Stunde nur dastehen.
Plan: tagsüber lange am Table Rock stehen bleiben, danach den Niagara Parkway entlang, abends die bunte Beleuchtung, die kitschig ist und die ich trotzdem mitnehme. Ausrüstung wird nass. Alles wird nass.
Mein Schulfranzösisch ist fünfzehn Jahre alt und war damals schon schlecht. Ich rechne mit Gesprächen, die auf Französisch beginnen und nach vier Sekunden freundlich auf Englisch weitergehen.
Die einzige Station, an der es weniger um Landschaft geht: Gassen im Vieux-Montréal, Abendlicht vom Belvédère Kondiaronk am Mont Royal, bunte Fassaden im Plateau. Und einmal Bagel essen, um mitreden zu können.
Hier fällt am Sonntag um Punkt 10:00 Ortszeit die wichtigste Entscheidung der ganzen Reise: das Buchungsfenster für den Moraine-Lake-Shuttle. Ich werde mit zwei Geräten gleichzeitig davorsitzen.
Der eigentliche Grund für die ganze Reise. Vier Nächte zwischen Calgary und dem Columbia Icefield, mit dem Icefields Parkway als Hauptstrecke: 232 Kilometer, an denen man alle zehn Minuten stehen bleiben will und deshalb sechs Stunden für drei Stunden Fahrt braucht.
Moraine Lake nur mit Shuttle, Lake Louise am besten ganz früh, Peyto Lake vermutlich im Nebel. Zwei der drei Nächte verbringe ich in Wilderness-Hostels: eines ohne Handyempfang, eines ohne Strom. Dafür ist der Himmel über Beauty Creek so dunkel, dass man die Milchstraße mit freiem Auge sieht.
Anfang September werden hier die ersten Lärchen golden, und nachts kann es Frost geben. Ich habe eine Daunenjacke eingepackt und werde sie entweder sehr brauchen oder sehr verfluchen.
Nach vier Tagen Berge wieder Meer. Stanley Park Seawall, Prospect Point, Granville Island, und Sonnenuntergang über dem Pazifik von der Sunset Beach aus — das erste Mal, dass die Sonne für mich im Wasser versinkt statt hinter einem Grat.
Capilano Suspension Bridge oder Lynn Canyon — beide North Vancouver, beide Regenwald, nur eine davon voller Reisegruppen. Ähnlich bei Grouse Mountain gegen Quarry Rock in Deep Cove.
Hier will ich zum ersten Mal seit Toronto wieder in einem Bett schlafen, in dem ich mich nicht frage, ob draußen etwas an der Mülltonne war. Am letzten Abend gehe ich früh schlafen, weil das Taxi zum Flughafen um halb sechs fährt.
Nicht Kanada, ich weiß. Aber der Rückflug geht von dort, und drei Tage Großstadt nach zwei Wochen Natur sind ein brauchbarer Schlusspunkt. Wahrscheinlich stehe ich in Manhattan und vermisse den Wald.
Central Park am Morgen, Brooklyn Bridge sehr früh, DUMBO mit der Manhattan Bridge zwischen den Häusern, High Line am Nachmittag. Die Staten Island Ferry kostet nichts und fährt an der Freiheitsstatue vorbei, was ungefähr der beste Deal des Kontinents ist.
Geplant ist ein Zeitraffer vom Sonnenuntergang über der Skyline. Realistisch geplant ist, dass der Akku dabei leer wird.
04 — Reisetagebuch
Ein Eintrag pro Tag, geschrieben am Abend, wenn die Karten kopiert werden. Bis dahin steht hier nur der Plan — und der Plan ist bekanntlich das, was zuerst kaputtgeht.
Tag 1 von 17 · 0 geschrieben
Tag 01 · Di, 25. August 2026
Steyr → Wien → Toronto
Abflug 09:20 Wien
So war es geplant
Um fünf holt mich jemand ab und fährt mich nach St. Valentin — die Verbindung ab Münichholz ist gestrichen. Von dort um 05:45 nach Wien, umsteigen, um 07:27 am Flughafen. Dann 53 Minuten bis Schalterschluss, und ich hoffe, dass ich am Vorabend an alles gedacht habe. Erst nach Warschau, dreieinhalb Stunden Aufenthalt, dann über den Atlantik. Landung um 17:20 Ortszeit, daheim ist es dann kurz nach elf. Abends noch runter zu den Beaches am Ontariosee — der See sieht aus wie ein Meer — und danach essen in Greektown. Draußen bleiben bis zehn, das ist die einzige Waffe gegen sechs Stunden Zeitverschiebung.
Nichts Ernstes. Höchstens das Fenster über Grönland.
Noch nicht passiert
Dieser Tag liegt noch in der Zukunft. Der Plan steht, die Wirklichkeit hat sich noch nicht geäußert.
Hier kommen die Bilder des Tages hin.
Alle Einträge sind noch Plan. Ab dem 25. August steht hier jeden Abend etwas Echtes — sofern es Strom gibt. In Beauty Creek gibt es keinen.
05 — Galerie
Keine Wunschliste, sondern eine Aufgabenliste. Zwanzig Motive, die ich mitbringen will — manche brauchen nur Geduld, manche das richtige Licht, und eines einen wolkenlosen Himmel über einem Hostel ohne Strom. Was ich schaffe, füllt hier den Rahmen. Was ich nicht schaffe, bleibt sichtbar leer.
07 — Kosten
Alles an einem Ort statt über die Seite verteilt. Was feststeht, steht hier — und was noch offen ist, steht auch hier, nur ohne Zahl. Umrechnung mit groben Planungskursen, keine Buchhaltung.
Bekannte Summe
3.515,69 €
aus 26 von 28 Posten
Noch ohne Betrag
2
Posten
Bekanntes pro Reisetag
206,81 €
auf 17 Tage gerechnet
2 noch offen
Grob erwartet: 770,00 € – 1.140,00 €
Diese Posten lassen sich vorher nicht buchen und damit auch nicht beziffern. Die Spannen sind geschätzt — nach der Reise stehen hier echte Zahlen.
Gebuchtes plus Erwartetes4.285,69 € – 4.655,69 €
Alle Beträge in Euro. Was in kanadischen Dollar oder US-Dollar bezahlt wurde, ist mit „ca.“ gekennzeichnet — der genaue Eurobetrag hängt am Kurs des Abrechnungstags.
06 — Fun Facts
Gesammelt beim Planen, als ich eigentlich Flüge vergleichen wollte. Nach Kategorie filterbar — und bei manchen Karten steckt unter dem Text noch ein Nachsatz.
Kanada hat rund 202.000 Kilometer Küstenlinie — mehr als alle anderen Länder der Erde zusammen. Das reicht fünfmal um den Äquator.
Meine 24.700 km wirken dagegen wie ein Spaziergang um den Block.
Der See in Manitoba trägt den längsten Ortsnamen Kanadas mit 31 Buchstaben. Aus dem Cree übersetzt: „wo man Walleye mit einer Falle fängt“.
In Snag im Yukon wurden 1947 minus 63 Grad gemessen. Atem gefror mit hörbarem Knistern, und Geräusche trugen kilometerweit.
Bewohner berichteten, sie hätten Gespräche aus fünf Kilometern Entfernung verstanden.
Kanada streitet ernsthaft darüber, welche Süßigkeit als Nationaldessert gilt. Die Kandidaten: Nanaimo Bar, Butter Tart und Beavertail.
In Neufundland leben etwa 120.000 Elche — eingeführt von vier Tieren im Jahr 1904. Sie verursachen jährlich hunderte Verkehrsunfälle.
Ein ausgewachsener Elch wiegt bis zu 700 Kilo, und sein Körperschwerpunkt liegt genau auf Höhe der Windschutzscheibe.
Es gibt in Kanada mehr Seen als in allen anderen Ländern zusammen. Etwa 60 Prozent aller Seen der Welt liegen hier.
Im Sommer 2023 verbrannten in Kanada über 18 Millionen Hektar Wald — mehr als die Fläche Österreichs, zweieinhalbmal. Der Rauch verdunkelte New York.
Von Neufundland bis zur Pazifikküste liegen viereinhalb Stunden. Neufundland hat eine eigene Zeitzone mit halbstündigem Versatz — UTC−3:30.
Ich durchquere auf dieser Reise nur vier davon. Und das reicht völlig.
Pommes, Bratensoße und Käsebruch. Es sieht aus wie ein Missverständnis und schmeckt wie eine gute Entscheidung um zwei Uhr früh.
Der Käse muss quietschen. Quietscht er nicht, ist es keine Poutine.
Mit rund 7.800 Kilometern eine der längsten Nationalstraßen der Welt. Von St. John’s bis Victoria braucht man ohne Pausen etwa eine Woche.
Wer in Kanada mit mehr als 25 Münzen zu 1 Cent bezahlt, muss nicht bedient werden. Der Cent wurde 2012 ohnehin abgeschafft.
In Teilen der Arktis sackt der Boden ab, Straßen verformen sich, Häuser kippen. Dabei entweicht Methan, das die Erwärmung weiter beschleunigt.
In der Eisbärenstadt Churchill in Manitoba bleiben Autos und Haustüren oft unversperrt — damit man sich hineinflüchten kann, wenn plötzlich ein Bär vor einem steht.
Es gibt dort auch ein Gefängnis für Eisbären. Mit Aufenthalt und Freilassung.
Über hundert Jahre lang wurden indigene Kinder zwangsweise in Internate gebracht, um ihnen ihre Sprache und Kultur auszutreiben. Die letzte Schule schloss 1996. Auf mehreren Geländen wurden unmarkierte Kindergräber gefunden.
Der 30. September ist seit 2021 nationaler Gedenktag. Wer orange trägt, erinnert daran.
Der Banff-Nationalpark wurde 1885 gegründet und ist Kanadas ältester. Auslöser waren heiße Quellen, die drei Eisenbahnarbeiter gefunden hatten.
Es folgte ein jahrelanger Streit darüber, wem sie gehören. Die Regierung entschied: niemandem.
Entlang des Highway 16 in British Columbia verschwanden über Jahrzehnte dutzende Frauen, überwiegend indigene. Viele Fälle sind bis heute ungeklärt.
Die Grenze zu den USA misst 8.891 Kilometer und ist damit die längste unbewachte Landgrenze der Erde.
Zwischen dem kanadischen Campobello Island und einem winzigen US-Gebäude verläuft eine Grenze von wenigen Metern. Kanada hat außerdem eine Grenze zu Dänemark — mitten in der Arktis.
Etwa 9 Prozent aller Wälder der Erde stehen in Kanada — rund 347 Millionen Hektar. Auf jeden Einwohner kommen etwa 8.500 Bäume.
Kanada und Dänemark stritten fünfzig Jahre um eine unbewohnte Felseninsel. Beide Seiten hinterließen bei jedem Besuch eine Flasche Schnaps und eine Flagge für die andere Seite.
2022 einigte man sich und teilte die Insel. Die freundlichste Grenzstreitigkeit der Geschichte.
Weite Teile des Nordens sind nur per Flugzeug oder über Eisstraßen erreichbar — Pisten, die über gefrorene Seen führen und im Frühjahr verschwinden.
Die Saison wird jedes Jahr kürzer.
Tim Hortons betreibt über 4.000 Filialen. Der Gründer war Eishockeyspieler und starb 1974 bei einem Autounfall.
Parks Canada empfiehlt, in Bärengebieten laut zu sein und niemals allein zu wandern. Bei einem Grizzly gilt: stehenbleiben, nicht rennen. Rennen macht dich zur Beute.
Ein Grizzly läuft 55 km/h. Der Weltrekord über 100 Meter entspricht 37.
Rund 90 Prozent aller Kanadierinnen und Kanadier leben in einem 160 Kilometer breiten Streifen entlang der US-Grenze.
Der Rest des zweitgrößten Landes der Welt ist im Wesentlichen: Landschaft.
Die heutige Flagge gibt es erst seit dem 15. Februar 1965. Davor führte Kanada den britischen Red Ensign.
Es gibt in Kanada Wettbewerbe im Baumstammrollen, im Eisstockschießen auf Rasen und ein jährliches Rennen mit Badewannen zwischen Nanaimo und Vancouver.
Englisch und Französisch sind bundesweit gleichgestellt. Offiziell zweisprachig ist aber nur eine einzige Provinz: New Brunswick.
Ontario hat 2009 den Apology Act verabschiedet: Eine Entschuldigung gilt vor Gericht nicht als Schuldeingeständnis. Man kann sich also gefahrlos ständig entschuldigen.
Was man dort bekanntlich auch tut.
232 Kilometer zwischen Lake Louise und Jasper, gesäumt von über hundert Gletschern. Er gilt als eine der schönsten Straßen der Welt.
Geplante Fahrzeit: drei Stunden. Realistische Fahrzeit: sechs.
Schmelzwasser vom Columbia-Eisfeld fließt in den Pazifik, den Atlantik und das Nordpolarmeer. Solche Punkte gibt es weltweit nur wenige.
Der türkise See zierte in den 1970ern die Rückseite der kanadischen 20-Dollar-Note.
Das Türkis der Bergseen stammt von Gletschermehl — feinstem Steinstaub, den das Eis abschleift und der im Wasser schwebt.
Es ist also kein Filter. Es ist zerriebener Berg.
Gerundete Zahlen, gesammelt beim Planen. Wer damit eine Wette gewinnen will, schaut vorher lieber selbst nach.