0,62 Erdumfänge
40.075 km wären einmal herum
Mehr als ein halber Erdball, ohne dass ich am Ende woanders bin als daheim. Der Untertitel dieser Seite lügt also nicht.
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Siebzehn Tage quer durch ein Land, das größer ist als alle meine bisherigen Reisen zusammen. Allein, mit zu viel Kameraausrüstung und einem Plan, der dann doch öfter umgeworfen wurde als gedacht. Hier steht, wie es wirklich war, Abend für Abend aufgeschrieben.
Der Film
01 — Über mich

Kanada. Warum eigentlich Kanada? Nachdem ich durch Interrail von vor ein paar Jahren abgehärtet bin, was das Reisen angeht, musste ich mich natürlich einer neuen Herausforderung stellen. Aber was wäre das richtige Land dafür? Es sollte irgendwo im Norden sein. Ich hab für mich herausgefunden, dass mir lieber zu kalt als zu heiß ist. Ganz einfach. Gut, also Norden... es sollte auch irgendwo außerhalb von Europa sein, nachdem ich Norwegen ja bereits abgeklappert habe. Nachdem aus bekannten Gründen derzeit die Reisefähigkeit in Nordasien/Nordost-Europa etwas eingeschränkt ist, war das Ziel der Begierde nicht weit. Kanada! Man munkelt ja, es sei die bessere USA plus Elche, Bären, Ahornblätter und Eishockey.
Also mal einfach Google Maps geöffnet, bissl herumgeguckt, was es da so zu entdecken gibt, ein paar Locations hatte ich ja bereits im Hinterkopf, von dem her wusste ich bereits, dass mir nicht langweilig wird. Da Kanada doch ein recht großes Land ist (um genau zu sein das zweitgrößte Land der Erde), wurschtelte ich mir mal einen groben Plan zusammen. Um das noch irgendwie möglichst effizient zu machen, war die logische Konsequenz, im Osten anzufangen, und mich dann nach Westen vorzuarbeiten. Ein paar Städte musste ich leider aus Zeitgründen aussparen (RIP Winnipeg und Ottawa), aber das Leben ist halt kein Ponyhof.
Das war’s eigentlich auch schon mit der Vorgeschichte, straight forward. Also Flüge und Unterkünfte gebucht, Rest ergibt sich.
Was 24.700 km eigentlich heißt
0,62 Erdumfänge
40.075 km wären einmal herum
Mehr als ein halber Erdball, ohne dass ich am Ende woanders bin als daheim. Der Untertitel dieser Seite lügt also nicht.
6,4 % zum Mond
Erde–Mond: 384.400 km
Sechs Komma vier Prozent. Klingt wenig, fühlt sich nach der fünften Sicherheitskontrolle aber vollständig an.
24-mal Wien–Paris
eine Strecke: 1.037 km
Vierundzwanzigmal quer durch halb Europa. Ohne Croissant, dafür mit Bordwasser im Plastikbecher.
Der Zeitversatz ist die unsichtbare Hauptfigur jeder Ost-West-Reise. Links läuft die Zeit daheim, rechts die von New York, dazwischen der ganze Kontinent.
03 — Die Route
Station antippen für Details, oder „Reise abspielen“ drücken und zuschauen. New York ist streng genommen falsch abgebogen, aber der Rückflug geht nun einmal von dort.
Tag 16 von 16 · 16 geschrieben
Tag 16 & 17 · Mi, 9. auf 10. September 2026
New York → Wien → Steyr
Abflug 13:50 ab JFK
Der Eintrag
Tag 16 (und 17, weils irgendwie zusammengehört). Diesmal musste ich zum Glück nicht ganz so früh auf, wenngleich ich bereits relativ früh am Start war, noch ein bisschen quatschte und langsam alles für den letzten Flug zusammenpackte.
Um 9 Uhr gings dann zum Checkout im Hostel, dann mit Sack und Pack zur nächsten U-Bahn, welche mich zum Flughafen JFK bringen sollte. Gleich mal die falsche Richtung genommen, also gleich wieder raus, diesmal richtige Richtung genommen, dann gings wirklich gen Flughafen.
Nach einem weiteren Umstieg war ich dann am AirTrain angelangt, welcher die U-Bahn-Stationen mit dem Flughafen verbindet. Das ist wie in Newark so eine Bahn, welche ständig im Kreis fährt. Also diese genommen, am Terminal ausgestiegen und rein in den Flughafen.
Wieder das Standardprozedere durchgemacht, Gepäck aufgegeben, diverse Sicherheitskontrollen, dann paar Stunden auf das Boarding warten. Start war um ca. 14:00.
Dann gings auch schon los, Ankunft um ca. 5 Uhr in der Früh in Belgrad, mit 6 Stunden Zeitverschiebung. Am Beginn des Fluges gleich mal kurz weggepennt, kurz darauf aufgewacht und das Essen war bereits serviert. Also zumindest für alle anderen. Wer könnte auch ahnen, dass es Essen bereits so früh gibt. Nachdem ich jetzt nicht am Verhungern war, konnte ich das gut verkraften.
Die insgesamt 9 Stunden Flugzeit wurden dann aus einer Kombination aus Aus-dem-Fenster-starren, Musik hören und schlafen totgeschlagen. Pünktlich um ca. 5 Uhr morgens kamen wir dann auch in Belgrad an.
Da wusste ich: Ich bin wieder in Europa. Wasserflaschen mit angelötetem Deckel und welches nicht einen unangenehmen Nachgeschmack hat, sondern einfach nach … Wasser schmeckt. Ach ja, und dass es verdammt kalt war und ich mit kurzer Hose und T-Shirt herumgelaufen bin. Da waren die Nächte in Nordamerika wesentlich gnädiger. 16 Grad waren jetzt nicht unbedingt meine Wohlfühltemperatur.
Nun gut, weiter im Takt. Durch die Sicherheitskontrolle wieder durch, das Gepäck wurde gleich nach Wien durchgecheckt. Also war zumindest so geplant. Während ich auf das Boarding wartete, wurde über eine Flughafendurchsage mein Name ausgerufen. Grundsätzlich kein gutes Zeichen.
Also zum Informationsschalter gewatschelt und nachgefragt. Die meinte dann, dass sich mein Reiserucksack geöffnet hat und ich jetzt mitkommen solle. Also dann durch irgendwelche dubiosen Gänge eine Abkürzung zur Gepäckabholung gegangen. Dort war er dann, der Reißverschluss hatte sich geöffnet. Zum Glück fehlte nichts, ich konnte Zeug umsortieren, sodass der Rucksack nicht mehr so gerammelt voll war, dass der Reißverschluss versagt.
Nachdem ich das Gepäck neu einchecken musste, gings wieder zur Gepäckabgabe, die Mitarbeiterin dort war (zu Recht) etwas verdutzt, da mein Gepäck eben eigentlich gar nicht nochmal eingecheckt werden sollte. Ihr dann alles geklärt, hat sich dann auch erledigt. Dann wieder durch die Sicherheitskontrolle, und dann gehofft, dass ich nicht nochmal ausgerufen werde.
Nach einiger Zeit konnte dann das Boarding für meinen letzten Flug von Belgrad nach Wien starten. Mit einem Transferbus (ja, darüber regt sich die gesamte restliche Welt auf, dass wir es in Europa nicht gebacken bekommen, dass das Boarding aller Flugzeuge an einem richtigen Gate stattfindet, sondern dass man mit einem Bus über den halben Flughafen kutschiert werden muss) gings dann zum Flugzeug und wir konnten einsteigen.
Nach ca. 1,5 Stunden war auch der kurze Flug vorüber und wir landeten in Wien. Reiserucksack geholt, ab zum Zug und mal wieder Nasenbohren, bis dieser gekommen ist. Nicht falsch verstehen, der Zug war eh auf die Minute pünktlich, nur hab ich wohl zu viel Puffer zwischen Ankunft und Zug gelassen. Kein ÖBB-Shaming hier.
Zug rein, daheim raus. Das wars. Daheim angekommen, werd ich mal ein paar Tage wirklichen Urlaub machen und mal Fotos und Videos abarbeiten, die sich so unter der Reise angesammelt haben. Over and out.
05 — Galerie
Alle Bilder der Reise, nach Tagen sortiert: von den gepackten Rucksäcken im Vorzimmer bis zum Willkommensschild in Wien.






















































































































































































Handgepäck-Limit 8 kg. Zwei Kameras, 4 Objektive und die feste Überzeugung, dass man Socken vor Ort kaufen kann.
Hauptkamera
Zehn Jahre alt, wiegt zu viel, macht trotzdem die Bilder, wegen denen ich hinfahre.
Zweitkamera & Video
Für Aufnahmen im Gehen, die ohne Gimbal aussehen wie ein Erdbeben.
07 — Kosten
Was die Reise gekostet hat, alles an einem Ort. Die Beträge sind echt, Trinkgeld und Kartengebühren sind jeweils schon eingerechnet. Keine Buchhaltung, aber nah dran.
Bekannte Summe
4.383,00 €
aus 31 von 31 Posten
Noch ohne Betrag
0
Posten
Bekanntes pro Reisetag
257,82 €
auf 17 Tage gerechnet
Alle Beträge in Euro. Was in kanadischen oder US-Dollar bezahlt wurde, ist zum Kurs des jeweiligen Tages umgerechnet.
06 — Fun Facts
Gesammelt beim Planen, als ich eigentlich Flüge vergleichen wollte. Nach Kategorie filterbar — und bei manchen Karten steckt unter dem Text noch ein Nachsatz.
Kanada hat rund 202.000 Kilometer Küstenlinie — mehr als alle anderen Länder der Erde zusammen. Das reicht fünfmal um den Äquator.
Meine 24.700 km wirken dagegen wie ein Spaziergang um den Block.
Der See in Manitoba trägt den längsten Ortsnamen Kanadas mit 31 Buchstaben. Aus dem Cree übersetzt: „wo man Walleye mit einer Falle fängt“.
In Snag im Yukon wurden 1947 minus 63 Grad gemessen. Atem gefror mit hörbarem Knistern, und Geräusche trugen kilometerweit.
Bewohner berichteten, sie hätten Gespräche aus fünf Kilometern Entfernung verstanden.
Kanada streitet ernsthaft darüber, welche Süßigkeit als Nationaldessert gilt. Die Kandidaten: Nanaimo Bar, Butter Tart und Beavertail.
In Neufundland leben etwa 120.000 Elche — eingeführt von vier Tieren im Jahr 1904. Sie verursachen jährlich hunderte Verkehrsunfälle.
Ein ausgewachsener Elch wiegt bis zu 700 Kilo, und sein Körperschwerpunkt liegt genau auf Höhe der Windschutzscheibe.
Es gibt in Kanada mehr Seen als in allen anderen Ländern zusammen. Etwa 60 Prozent aller Seen der Welt liegen hier.
Im Sommer 2023 verbrannten in Kanada über 18 Millionen Hektar Wald — mehr als die Fläche Österreichs, zweieinhalbmal. Der Rauch verdunkelte New York.
Von Neufundland bis zur Pazifikküste liegen viereinhalb Stunden. Neufundland hat eine eigene Zeitzone mit halbstündigem Versatz — UTC−3:30.
Ich durchquere auf dieser Reise nur vier davon. Und das reicht völlig.
Pommes, Bratensoße und Käsebruch. Es sieht aus wie ein Missverständnis und schmeckt wie eine gute Entscheidung um zwei Uhr früh.
Der Käse muss quietschen. Quietscht er nicht, ist es keine Poutine.
Mit rund 7.800 Kilometern eine der längsten Nationalstraßen der Welt. Von St. John’s bis Victoria braucht man ohne Pausen etwa eine Woche.
Wer in Kanada mit mehr als 25 Münzen zu 1 Cent bezahlt, muss nicht bedient werden. Der Cent wurde 2012 ohnehin abgeschafft.
In Teilen der Arktis sackt der Boden ab, Straßen verformen sich, Häuser kippen. Dabei entweicht Methan, das die Erwärmung weiter beschleunigt.
In der Eisbärenstadt Churchill in Manitoba bleiben Autos und Haustüren oft unversperrt — damit man sich hineinflüchten kann, wenn plötzlich ein Bär vor einem steht.
Es gibt dort auch ein Gefängnis für Eisbären. Mit Aufenthalt und Freilassung.
Über hundert Jahre lang wurden indigene Kinder zwangsweise in Internate gebracht, um ihnen ihre Sprache und Kultur auszutreiben. Die letzte Schule schloss 1996. Auf mehreren Geländen wurden unmarkierte Kindergräber gefunden.
Der 30. September ist seit 2021 nationaler Gedenktag. Wer orange trägt, erinnert daran.
Der Banff-Nationalpark wurde 1885 gegründet und ist Kanadas ältester. Auslöser waren heiße Quellen, die drei Eisenbahnarbeiter gefunden hatten.
Es folgte ein jahrelanger Streit darüber, wem sie gehören. Die Regierung entschied: niemandem.
Entlang des Highway 16 in British Columbia verschwanden über Jahrzehnte dutzende Frauen, überwiegend indigene. Viele Fälle sind bis heute ungeklärt.
Die Grenze zu den USA misst 8.891 Kilometer und ist damit die längste unbewachte Landgrenze der Erde.
Zwischen dem kanadischen Campobello Island und einem winzigen US-Gebäude verläuft eine Grenze von wenigen Metern. Kanada hat außerdem eine Grenze zu Dänemark — mitten in der Arktis.
Etwa 9 Prozent aller Wälder der Erde stehen in Kanada — rund 347 Millionen Hektar. Auf jeden Einwohner kommen etwa 8.500 Bäume.
Kanada und Dänemark stritten fünfzig Jahre um eine unbewohnte Felseninsel. Beide Seiten hinterließen bei jedem Besuch eine Flasche Schnaps und eine Flagge für die andere Seite.
2022 einigte man sich und teilte die Insel. Die freundlichste Grenzstreitigkeit der Geschichte.
Weite Teile des Nordens sind nur per Flugzeug oder über Eisstraßen erreichbar — Pisten, die über gefrorene Seen führen und im Frühjahr verschwinden.
Die Saison wird jedes Jahr kürzer.
Tim Hortons betreibt über 4.000 Filialen. Der Gründer war Eishockeyspieler und starb 1974 bei einem Autounfall.
Parks Canada empfiehlt, in Bärengebieten laut zu sein und niemals allein zu wandern. Bei einem Grizzly gilt: stehenbleiben, nicht rennen. Rennen macht dich zur Beute.
Ein Grizzly läuft 55 km/h. Der Weltrekord über 100 Meter entspricht 37.
Rund 90 Prozent aller Kanadierinnen und Kanadier leben in einem 160 Kilometer breiten Streifen entlang der US-Grenze.
Der Rest des zweitgrößten Landes der Welt ist im Wesentlichen: Landschaft.
Die heutige Flagge gibt es erst seit dem 15. Februar 1965. Davor führte Kanada den britischen Red Ensign.
Es gibt in Kanada Wettbewerbe im Baumstammrollen, im Eisstockschießen auf Rasen und ein jährliches Rennen mit Badewannen zwischen Nanaimo und Vancouver.
Englisch und Französisch sind bundesweit gleichgestellt. Offiziell zweisprachig ist aber nur eine einzige Provinz: New Brunswick.
Ontario hat 2009 den Apology Act verabschiedet: Eine Entschuldigung gilt vor Gericht nicht als Schuldeingeständnis. Man kann sich also gefahrlos ständig entschuldigen.
Was man dort bekanntlich auch tut.
232 Kilometer zwischen Lake Louise und Jasper, gesäumt von über hundert Gletschern. Er gilt als eine der schönsten Straßen der Welt.
Geplante Fahrzeit: drei Stunden. Realistische Fahrzeit: sechs.
Schmelzwasser vom Columbia-Eisfeld fließt in den Pazifik, den Atlantik und das Nordpolarmeer. Solche Punkte gibt es weltweit nur wenige.
Der türkise See zierte in den 1970ern die Rückseite der kanadischen 20-Dollar-Note.
Das Türkis der Bergseen stammt von Gletschermehl — feinstem Steinstaub, den das Eis abschleift und der im Wasser schwebt.
Es ist also kein Filter. Es ist zerriebener Berg.
Gerundete Zahlen, gesammelt beim Planen. Wer damit eine Wette gewinnen will, schaut vorher lieber selbst nach.